Torfwerk Gubkow (Stand: Oktober 2004)


Südlich von Rostock erstrecken sich große Moorgebiete, die seit alters her der Torfgewinnung dienen. Während der Torf jedoch früher vornehmlich zur Hausbrandversorgung verwendet wurde, verlagerte sich im letzten Jahrhundert seine Bedeutung zunehmend in Richtung Gartenbau als Blumenerde und Düngemittel. Mit der Industrialisierung der Torfgewinnung wurde auch das Güldenitzer Moor (Großes Moor) in den 50er Jahren in großem Stil erschlossen. Wegen des kaum tragfähigen Untergrundes kam hierbei selbstverständlich eine Feldbahn zum Einsatz.

Die umfangreichen 600 mm-Strecken verbanden die einzelnen Abbauflächen (insgesamt 360 ha) mit dem Torfwerk im nahen Gubkow sowie dem Bahnhof Horst an der Strecke Rostock - Tessin. Bedingt durch die relativ große Länge der Bahn kam es zu einer gestaffelten Betriebsführung: Während im Moor selbst nur leichtes Lokomotivmaterial (EL105, Ns1, Eigenbauloks) benutzt wurde, übernahmen die schwereren Maschinen der Reihe Ns2f den Transport vom Randes des Moores ins Torfwerk und zur Bahnverladung. Wagenmäßig wurden lange Jahre vierachsige Rübenwagen sowie die üblichen zweiachsigen Torfwagen verwendet, die später durch Muldenkipper mit 0,75 m³ Inhalt ersetzt wurden.

Die Wende brachte auch für die Gubkower Torfbahn Veränderungen mit sich. Inzwischen als "Humus und Erden Rostock" firmierend stand der weitere Torfabbau nicht in Frage, jedoch musste die Feldbahnstrecke zum (alten) Torfwerk und zur Bahnverladung wegen strittiger Grundstücksfragen aufgegeben werden. Als Ersatz entstand am Rande des Moores an der früheren Verladung ein neues Torfwerk. Der Einsatz der schweren Ns2f wurde damit überflüssig; verbliebene Transportleistungen gingen auf den Lkw über. Zwei der Ns2f fanden daraufhin im Torfwerk Ehlers in Dellstedt in Schleswig-Holstein eine neue Heimat. Wegen der schwierigen Untergrundverhältnisse konnte sich die Feldbahn im Moor hingegen bis in die heutigen Tage halten. Ein Ende ist bislang trotz Konkurrenz in Form modernster Raupentechnik noch nicht abzusehen. Hoffentlich ist dieser wirklich schönen Bahn so noch ein recht langes Leben beschieden!

 
Blick auf den Lokschuppen. Im Vergleich zu den 80er Jahren wurden die Schleppweichen inzwischen gegen normale Weichen ausgetauscht.   Die Lokaufarbeitung erfolgt in der Halle des Torfwerkes. Während rechts die LKM Ns1 "nur" überholt wird, erhält links die Jung-Lok einen völlig neuen Motor.
 
An der Entladung werden stets beide im Einsatz befindlichen Züge unmittelbar nacheinander entladen...   ...und fahren anschließend wieder ins Moor zurück, wobei die Leerzüge stets geschoben verkehren.
 
Die Ns1 passiert am Abstellbahnhof einen vierachsigen Mannschaftswagen.   Blick auf die Torfverladung im Moor, wo der gefräste Torf einige Zeit zur Trocknung aufgehaldet wird.
 
Die Rückfahrt zum Torfwerk erfolgt bis zur Stammstrecke geschoben.   Unmittelbar vor der Einmündung in die Stammstrecke wird dieser BÜ überquert.